Haus der Kulturen

Ein Gespenst geht um in Freiburg und es heißt »Haus der Kulturen«. Und wie immer bei Gespenstern weiß man nicht so richtig, womit man es zu tun hat; es kommt wann es will und beantwortet leider keine Fragen. Vor drei Jahren begann im Rahmen des Kulturkonzepts-Prozesses (insbesondere im Rahmen der Erstellung des Handlungskonzeptes zur Kulturellen Vielfalt) die Diskussion über ein solches Haus, es gab hierzu im Juli 2006 ein interessantes Werkstattgespräch; seitdem ist das Thema zumindest in der Öffentlichkeit kaum weiterentwickelt worden.Nun wird in einigen Wahlprogrammen wird ein »Haus der Kulturen« gefordert und auch der MigrantInnenbeirat versucht das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Was für ein »Haus der Kulturen« nun aber gemeint ist, das steht in den Programmen nicht – die Kulturliste spricht von einem „Raumkonzept für den interkulturellen Dialog“, die Linke Liste von einem „Interkulturellen Dialograum“, der MigrantInnenbeirat fragt schlicht die Unterstützung nach einem „Haus der Kulturen (Räume für Migrant.-vereine/-organisationen)“. So einfach mit Ja und Nein lässt sich das aber nicht beantworten. Es gibt nämlich mindestens vier Grundideen, auf die sich ein »Haus der Kulturen« beziehen kann:

  1. eine Institution, die gezielt interkulturelle Themen besetzt: Mit Ausstellungen, Veranstaltungen, Vorträgen und Kooperationen mit anderen Einrichtungen. Ein solches Haus steht und fällt mit kompetenten KuratorInnen; ein gelungenes Beispiel ist das Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Eine solche Einrichtung ist teuer und vielleicht auch eine Nummer zu groß für Freiburg. Kulturell wäre eine solche Institution ein Gewinn für Freiburg, ob eine solche Einrichtung unter integrationspolitischen Gesichtspunkten sinnvoll ist, dass müsste man en detail diskutieren.Ich habe mir dazu noch kein abschließendes Urteil gebildet.
  2. Ein gemeinsames Vereinshaus für die gesamten MigrantInnenvereine, das auch Veranstaltungsräumlichkeiten beinhaltet. Mal davon abgesehen, dass es fraglich ist,ob alle die ganzen Vereine unter ein Dach wollen (es ist wohl vor Jahren ein ähnliches Konzept eines »interkulturellen Zentrums« gescheitert) – ein extra Bürgerhaus für Migranten integriert nicht, es trennt eher. MigrantInnen brauchen keinen abgesonderten Raum, sie gehören in die Mitte der Gesellschaft, wie jede andere Bevölkerungsgruppe auch. Halte ich integrationspolitisch für keine gute Idee.
  3. Eine gemeinsame Klammer interkultureller Arbeit – ein virtuelles »Haus« der Kulturen, das gerade keinen Ort hat,sondern sich mal im E-Werk (z.B. im hervorragenden Projekt der Stori Digitali), mal im Theater, mal bei einem Strassenfest manifestiert. Dabei reicht es nicht bereits bestehende Projekte und Veranstaltungen zu sammeln, vielmehr müssen Kooperationen angeregt werden, ein gemeinsamer Auftritt erreicht werden. Könnte durchaus interessant und gut für Freiburg sein.
  4. Ein Ersatz für das Völkerkundemuseum. Ich selbst vermisse das Völkerkundemuseum schmerzlich, mit seiner sympathischen Angestaubtheit ein Ort, der für mich abenteuerlich war – ein Ort wie aus einem Indiana Jones-Film. Jetzt aber über die Interkulturschiene das Völkerkundemuseum zu begründen, ist für meinen Geschmack doch etwas weit hergeholt, die EthnologInnen mögens mir verzeihen.

Solange sich die für ein »Haus der Kulturen« wichtigen Akteure – MigrantInnen, Kultureinrichtungen, Stadt – sich nicht auf ein Konzept verständigen, wird ein solches nicht von der Stelle kommen.