Kunst statt Müll.

fewthings

Das Mietshaus, in dem ich lebe, hat in den letzten zehn Jahren mehrfach den Eigentümer gewechselt. Ursprünglich hat es mal einer Versicherung gehört, dann einer Privatperson und mittlerweile sitzt unser Vermieter in Irland. Mit den Eigentümerwechseln hat sich auch die Bewohnerschaft massiv geändert. Waren wir früher – von den Mansardenzimmern mal abgesehen – die einzige WG im Haus, so sind heute ein Großteil der anderen Wohnungen studentisch bewohnt. Teilweise natürlich zimmerweise vermietet, weil man so ganz elegant am Mietspiegel vorbei horrende Mieten erzielen kann. Mit dem mittlerweile kompletten Wechsel in der Bewohnerschaft hat sich nicht nur die Lärmbelastung erhöht, weil natürlich Studis auch gerne feiern. Das stört mich nicht. Geändert hat sich auch – auch weil seitens des Eigentümers/des Verwalters/des Hausmeisters wohl kein gesteigertes Interesse an der Durchsetzung der Hausordnung haben – der Zustand des Treppenhauses. Dieses wird kaum noch gereinigt und der Staub bildet mittlerweile schöne Flusen. Das sieht nicht schön aus. Nicht schön auch, wenn Hausmüll tage- oder wochenlang im Flur liegen bleibt, oder irgendwelche Rückstände von Parties die Fensterbretter aufhübschen. Meistens nehme ich das garnicht mehr wahr, aber manchmal ärgere ich mich richtig. Und irgendwie ist es auch nicht so toll, wenn man mal Besuch hat und der von einem derart dreckigen Treppenhaus empfangen wird. Gestern ist mir dann eine gute Idee gekommen: Wenn ich den Müll nicht mehr als solchen wahrnehme, kann ich mich nicht mehr über diesen ärgern. Einfach umlabeln. Also habe ich kleine Schildchen gebastelt, ein Plakat entworfen und aus dem Treppenhaus einfach eine Kunstausstellung gemacht. Mal ganz davon abgesehen, dass das Spaß gemacht hat: Es ist ja auch ganz witzig, zu schauen bzw. sich vorzustellen, wie damit Leute irritiert werden. Interessant finde ich, dass die Dose auf dem Fensterbrett (siehe Bild) und der Müll auf Treppenstufe 1 (siehe Bild) ratzfatz verschwunden sind. Kunst scheint flüchtiger zu sein als Müll.

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