Rede zum Literaturhaus Freiburg

Meine Rede zum heutigen Tagesordnungspunkt Literaturhaus Freiburg (G 12/107):

Wider die Müdigkeit! So heißt ein aktuelles Programm des Literaturbüros mit vielen Partnern in Freiburg und anderswo. Ein Programm, dass sich aktueller Zeitdiagnose – der »Müdigkeitsgesellschaft« Byung-Chul Hans – aktueller Politik – den Umstürzen im Arabischen Raum auseinandersetzt. Ein Programm, das zeigt, welche Anstösse Wörter und Texte geben können

Wider die Müdigkeit: Damit eine Stadt nicht einschläft, braucht es wache Kultureinrichtungen. Wir gehen heute einen entscheidenden Schritt zu auf eine solche zu, auf ein Literaturhaus für Freiburg.

Und das ist gute, ist wache Kulturpolitik. Nicht aktionistisch, nicht eventbezogen und schnell verpuffend, sondern nachhaltig. Denn das Literaturhaus kommt nicht aus dem Nichts, nicht aus der Feder irgendeines Kulturplaners, sondern ist die konsequente Fortführung dessen, was das Literaturbüro und natürlich der dahinterstehende Verein, das Literatur Forum Südwest in den zehn Jahren geschaffen haben. Erlauben Sie mir ins Jahr 2005 zurückzuspringen und aus der Badischen Zeitung vom 22. Juli zu zitieren. Unter der Überschrift »Die Literatur wachgeküsst« heißt es:

»Als sie vor fünf Jahren im Doppelpack das Freiburger Literaturbüro übernahmen, wurde die Anlaufstelle für Autoren als Quantité négligeable gehandelt – die finanzielle Ausstattung der Zweidrittelstelle ist bis zum heutigen Tag entsprechend bescheiden. Martin Gülich und Kai Weyand, beide im Hauptberuf Schriftsteller, gingen ihre Aufgabe mit so viel Elan an, dass es nicht übertrieben erscheint, wenn man heute feststellt: Diese beiden haben der Literatur in der Stadt zu dem Stellenwert verholfen, der ihr gebührt«

Und am 18.11. berichtet die BZ über die Nachfolgerin von Weyand und Gülich:

»Über einen Mangel an Ideen braucht man sich bei Stefanie Stegmann nicht zu beklagen. Seit knapp drei Monaten leitet die 31-Jährige das Literaturbüro Freiburg – und in dieser Zeit hat sie von ihrem kleinen Büro unter dem Dach des Kommunalen Kinos aus schon bemerkenswert viel auf den Weg gebracht. Auch Großes, sogar Spektakuläres ist dabei: Im nächsten September soll der „Zug 76“ nicht nur in Metropolen wie Köln, Stuttgart, Berlin, Leipzig und Bonn, sondern auch in der beschaulichen Provinzstadt Freiburg Station machen. Nicht das Geld ist entscheidend, sondern die Ideen, um etwas in Gang zu setzen: Vielleicht liegt es auch an dieser für sie fruchtbaren osteuropäischen Erfahrung, dass Stefanie Stegmann nicht über das schmale Budget ihrer Teilzeitstelle klagt.«

Es blieb nicht beim Zug 76, in Folge haben viele Projekte in Freiburg Station gemacht, dabei hat das Literaturforum immer wieder Fragen der Zeit aufgegriffen, ich erinnere hier nur an »Störfall Text« im Rahmen der Tschnernobyl-expeditionen im letzten Jahr. Dem Literaturbüro ist es gelungen, größere Projekte immer wieder über Stiftungen – darunter auch wieder aktuell die Kulturstiftung des Bundes mitzufinanzieren. Aber schon bald hat sich gezeigt: Eine Fortführung der Arbeit bedarf eben nicht nur der Ideen, sondern eben auch einer entsprechenden Struktur und entsprechender Mittel. Und so war es nur konsequent, dass rasch das Konzept eines Literaturhauses entwickelt wurde, diese Idee ins Kulturkonzept der Stadt Eingang fand und eine breite politische Unterstützung fand.

Der Kulturausschuß und das Literaturforum haben in den letzten Monaten eine Reihe von möglichen Orten angeschaut, das Kulturamt hat die Standortoptionen sehr detailliert bewertet und mit der Werthmannstr. ist ein guter Standort gefunden. Falls die Verhandlungen mit der Universität nicht zu einem fruchtbaren Abschluß kommen, gibt es mit der Fabrik, die sich sehr ins Zeug gelegt hat und der ich hier für ihr Engagement danken möchte, eine sehr gute zweite Option.

Vereinzelt wurde die Befürchtung geäußert eine Ansiedlung an der Universität, hätte eine programmatische Verengung des Programms des Literaturhauses zur Folge. Das glaube ich nicht und das bisherige Programm des Literaturbüros zeigt, dass diese auch nicht zu befürchten ist. Im Gegenteil bin ich mir sicher, dass – wider die Müdigkeit – die Experimentierfreude, die das Literaturbüro bislang gezeigt hat, auch der Universität gut tut. Nun hoffen wir mit dem Literaturforum auf erfolgreiche Verhandlungen mit der Universität in der Hoffnung, dass das Literaturbüro bald Geschichte ist und wir ein Literaturhaus für Freiburg feiern können.