Freiburg hat eine Kunstkommission!

Meine heutige, etwas launige Rede dazu:

Sehr geehrter Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,

Es ist ja gut, sich – auch über das in der Drucksache erwähnte – der Geschichte dessen zu vergewissern, über das wir heute beschließen. Und auch einmal die seltsam verschlungenen Wege nachzuzeichen, die die Politik manchmal geht. Und hier ist es ein verschlungener Weg vom heiligen Martin bis hin zur Kunst am Bau im allgemeinen. Und da wir ja in der Politik viel zu oft zu negativ sind, soll den Wegbegleitern heute Dank gesagt werden.

Denn dass wir heute über eine Kunstkommission beraten, dafür ist einigen Dank zu sagen, denn ohne diese tapferen Streiter stünde diese Kommission heute nicht zur Entscheidung an.

Dank also dem beliebten Heiligen Martin, drittem Bischoff von Tours, Patron der Bettler, Reiter, Abstinenzler und weiteren Personengruppen, der ja früher am gleichnamigen Tor auch abgebildet war, je nach zeitgenössischem Geschmack ausgeführt.

Dank einem unbekannten Mäzen, der Geld geben wollte, um die Leerstelle am Tor mit einem vermeintlich schonmal dort zu sehenden Bildnis, jenem von Simon Göser, zu versehen.

Dank Herrmann Hein von der Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild, dem es gelang CDU, SPD, Freie Wähler und FDP dazu zu bewegen, zu beantragen, dass – ich zitiere aus dem Beschlußantrag dieser Fraktionen – „der Anbringung eines Bildes in Anlehnung an das Bild „Der Heilige St. Martin und der Bettler“ von Simon Göser auf der Nordseite des Martinstores unter der Voraussetzung zugestimmt wird, dass der Stadt keine Kosten hierdurch entstehen.“ Das hätte wahrlich eine Sternstunde des Gemeinderats werden können, die Martinsdiskussion.

Dank der Badischen Zeitung, die natürlich über dieses Politikum gerne und ausführlich berichtete. Ein Thema das für Wallungen sorgte! So war zu lesen, dass der geschätzte Kollege Atai Keller schon bei dem Gedanken an das geplante Bildnis erhöhten Blutdruck bekommt, denn für Göser – so Keller – gebe es keinerlei historische Herleitung.

Dank an Atai Keller, der diese Wallungen offenbar produktiv nutzte, um eines seiner Lieblingsthemen – Kunst am Bau – voranzubringen und listig die sich bietende Change ergriff. Er eröffnete den genannten Antragstellern die Möglichkeit aus der zunehmend peinlichen Martinsdiskussion unbeschadet herauszukommen, in dem nun eine – ich zitiere aus dem Beschluß vom 14. Mai 2013:

„mit fachkundigen Bürgerinnen und Bürgern zu besetzenden Kunstkommission vorbereitet wird, deren Aufgabe zunächst darin besteht, zum Thema „Bild am Martinstor“ eine Empfehlung an den Gemeinderat abzugeben. Hierzu soll die Verwaltung dem Gemeinderat einen Vorschlag zur formalen Zuständigkeit und personellen Besetzung der Kommission unterbreiten.“

Das tat die Kulturverwaltung nur allzu gerne und nach zahllosen interfraktionellen Gesprächen ist es nun soweit: Wir besetzen diese Kunstkommission. Und sind gespannt auf die fachkundige Empfehlung zum Göser-Bild. Natürlich voll großer Hoffnung, dass diese Empfehlung weder für den Kollegen Keller noch für mich mit Blutdruckproblemen oder schwerwiegenderen Gesundheitsbeeinträchtigungen einhergeht.

Das könnte nun das Ende der Rede sein, aber die Wege der Politik sind auch weiterhin verschlungen. Wir werden sehen, welche Aufgaben die Kommission künftig wahrnehmen wird.

Das hängt natürlich entscheidend damit zusammen, wie wir mit dem Thema Kunst am Bau künftig umgehen. Diese Diskussion führen wir aber nicht heute, sondern dazu wird es ja im Frühjahr die Gelegenheit geben. Für meine Fraktion sei nur soviel gesagt: Wir sehen das Thema nicht isoliert – es muss im Rahmen sowohl der finanziellen Möglichkeiten der Stadt wie auch der kulturpolitischen Schwerpunktsetzung im allgemeinen und des Feldes Bildende Kunst im speziellen diskutiert werden. Klar ist jedenfalls für uns: Das heutige freudige Ja von uns zur Kunstkommission zieht gewiß nicht automatisch ein zukünftiges Ja zu einem festen Prozentsatz für Kunst am Bau für alle öffentlichen Gebäude nach sich.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!