Nachdem gestern schon bekannt wurde, dass Junges Freiburg wieder eine Fraktionsgemeinschaft mit den Grünen eingeht, hat sich heute nun geklärt, wie es mit einem Großteil der anderen weitergeht: Die Unabhängigen Frauen, die Linke Liste und die Kulturliste werden wieder gemeinsam als “Unabhängige” Listen firmieren. Unklar noch, was die sogenannte “Grüne” Alternative macht. Was Fraktionsgemeinschaften anbelangt, bleibt im neuen Gemeinderat also alles beim Alten. Der große Verlierer beim neuen Fraktionsstricken ist die SPD. In einem Gespräch mit TV Südbaden glaubte Frau Rolland(SPD) gestern noch an eine 50%-Chance, die Kulturliste zur SPD ziehen zu können. Ich persönlich hätte auch eher darauf getippt, dass die Kulturliste diesmal mit der SPD zusammengeht.
Wie ist das zu bewerten: Die LISST konnte als einzige UL zulegen. Es ist zu bedürchten, dass damit eine sich als vergleichsweise dogmatisch verstehende Linke noch stärker die UL prägen wird als dies jetzt schon der Fall ist – ich bin gespannt, wie sich das entwickelt, zumal ja Kinobetreiber Michael Wiedemann der zweite Kulturlistenstadtrat ist, dem ich durchaus die eine oder andere Überraschung zutraue. Fundamentalopposition passt irgendwie nicht zu einem schlauen Geschäftsmann wie er einer ist. Auf Junges Freiburg bei uns Grünen freue ich mich, Simone Pflaum wird gut in die neue Fraktion passen und das wird sicher eine tolle Zusammenarbeit.
Stadtrat neu sortiert: Alles beim Alten.
Welche Beteiligung hättense denn gerne?
Freiburgs Beteiligungshaushalt soll abgespeckt werden so berichtete die Badische Zeitung am Montag. Hintergrund: Die (nichtöffentliche) Vorberatung des Themas Beteiligungshaushalts im Hauptausschuß. Im Gemeinderat beschloßen wird zu diesem Thema dann am Dienstag nächste Woche.
Grund zurück zu blicken: Im Vorfeld der letzten Haushaltsberatungen wurden erstmals in Freiburg verschiedene Module erprobt, um die Bürger stärker an der Erstellung des Haushaltsplans zu beteiligen:
- eine repäsentative Umfrage mit Rücklauf von knapp 50% der 5.000 angeschriebenen Personen
- eine Internetplattform mit Haushaltsrechner, Wiki und Foren
- eine Stadtkonferenz mit knapp 200 Teilnehmern
Die Ergebnisse waren heterogen. Je nachdem, welchem Instrument mensch mehr Bedeutung zumisst, kann mensch also sehr schön die eigene Position als durch die Bürgerbeteiligung abgesegnet betrachten. Der ganze Spaß war aber alles andere als billig, sondern hat knapp 700.000 Euronen gekostet. War es das wert? Nun sind 700.000 Euro eine Menge Geld und wer sich den Haushaltsplan der Stadt Freiburg anschaut, kann dort nachlesen, was mensch mit dem Geld so alles machen könnte… Der finanzielle Aufwand ist für die Zukunft eines Beteiligungshaushalts aber nicht die entscheidende Frage. Diese scheint mir eher darin zu liegen, was mensch mit Beteiligung denn überhaupt meint.
Meines Erachtens kann damit zweierlei gemeint sein: Erstens eine Mitbestimmung im Sinne eines Mitentscheidens. Aber warum brauchen wir denn dazu einen Beteiligungshaushalt? Wer will, kann doch auch so schon mitentscheiden: In Parteien, Vereinen und BIs sich organisieren, mit Stadträten, Bürgermeistern und Abgeordneten telefonieren. Oder einen Bürgerentscheid initiieren. Die äußerst schwache Beteiligung an der Stadtkonferenz hat gezeigt, dass offenbar kaum Interesse an einem Beteiligungshaushalt besteht – zumindest kein so weit tragendes Interesse, für dass man einen halben Tag Freizeit opfern würde. Nun kann man hier den für schriftliche Befragungen durchaus passablen Rücklauf der Umfrage anführen: Da hat man repräsentative Ergebnisse, eine klare Prioritätensetzung der BürgerInnen. Aber sollte sich Politik tatsächlich von Demoskopie abhängig machen? (An dieser Stelle der Hinweis auf ein starkes Beispiel für die Schwäche von Meinungsumfragen) Damit ich nicht mißverstanden werde: Ich bin sehr für mehr Elemente direkter Demokratie. Aber zu jedem Bürgerentscheid sollte es einen Wahlkampf geben, in dem die politischen Interessengruppen Informationen und Positionen kommunizieren. Das ist etwas anderes als eine Meinungsumfrage – egal wie repräsentativ sie ist.
Mit Beteiligung kann aber auch die Einsicht gemeint sein, dass es signifikante Bevölkerungsteile gibt, die bislang außerhalb des politischen Prozeßes stehen. Dann ist weniger ein “Mitentscheiden” gemeint, sondern vielmehr eine Integration dieser Bevölkerungsteile. Dass das nicht über eine Umfrage funktionieren kann, versteht sich von selbst (dass diese Umfrage durchaus interessant sein kann, übrigens auch. Nur: Mit Beteiligung hat das erst einmal nichts auf sich). Wer Beteiligung in diesem Sinne will, der muß sich vielmehr überlegen, wer bislang außerhalb des politischen Prozeßes steht und wie er diese Menschen einbinden kann (eine eher traditionelle Veranstaltungsform wie die Stadtkonferenz – das hat sich klar gezeigt – hilft hier kaum, sie bietetim Großen und Ganzen schon anderweitig organisierten Interessen eine weitere Spielwiese) . Die Internetplattform ist für mich daher der interessanteste Teil des Beteiligungshaushalts gewesen (Leider nicht optimal umgesetzt, insbesondere waren die ModeratorInnen teilweise eklatant unwissend über den Haushaltsplan). Mein Eindruck: Viele junge Menschen sind politisch hochinteressiert und durchaus kompetent. Auf ein herkömmliches Engagement haben sie aber keine Lust. Eine intellegente Internet-Beteiligungsform gewinnt diese Menschen vielleicht auch für die RL-Politik zurück. Es wäre schade auf die Ideen dieser Menschen verzichten zu müssen, weil sie sich lieber garnicht beteiligen. Nun geht es nicht nur um die netzaffine Jugend. Für andere Gruppen sollte man andere Konzepte entwickeln. Das braucht Zeit.
Nein diese Presse!
Ich bin natürlich hocherfreut, nun Mitglied des Freiburger Gemeinderates geworden zu sein. Dass man da mit der örtlichen Presse zu tun hat ist normal. Mein Kontakt hat sich auf ein kurzes Zusammentreffen mit Julia Littmann von der Badischen beschränkt – ausgerechnet auf der Wahlparty der GAF. Da war ich aus drei Gründen: Erstens kenne ich eine Reihe Leute auf der Liste und mag sie sehr gerne (z.B. Stefanie, mit der ich Soziologie studiert habe, oder Harry, der mal ein Seminar bei mir belegt hatte, oder Tom, mit dessen Wellenkapelle wir mal eine tolle Veranstaltung im Koki hatten). Zweitens: Im Egon gibts Export vom Fass. Drittens: Ich finde es immer noch schade, dass es diese Abspaltung gab und hätte einen Teil von der GAF lieber bei den Grünen gesehen. Erwähnt wurde natürlich nur das Dritte.
Richtig irritiert bin ich aber über anderes: Angeblich bin ich nun laut BZ “Macher des Kommunalen Kinos”. Das ist Blödsinn. Das Kommunale Kino hat einen Programmausschuss, der sich alle zwei Wochen trifft und der macht letztlich das Programm. Und im Büro des Kommunalen Kinos arbeite ich zwar mit großer Freude, aber nicht alleine, sondern mit unserem Geschäftsführer Wolfgang Dittrich-Windhüfel und meinen Kolleginnen Neriman Bayram, Reiner Hoff und Jürgen Preuss. Und wer jetzt vermutet, dass das Koki zu viel Geld bekommt: Keiner arbeitet Vollzeit, die Löhne sind nicht üppig und stagnieren wie auch die Zuschüsse seit Jahren. Wie die BZ auf so was kommt: Keine Ahnung. Mich hat jedenfalls niemand gefragt. Recherche ist wohl nicht mehr in. In jedem unserem Programmheft steht drin, wer Geschäftsführer bei uns ist.
Grüne Hochburg Freiburg?
Entgegen dem Bundestrend und Landestrend – grandioses Ergebnis von vor 5 Jahren gehalten – haben die Freiburger Grünen bei der Europawahl verloren. Und zwar 4,3%. Unser Grüner OB Dieter Salomon findet das nicht so schlimm: “Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Grünen – deutlich über 30 Prozent. Es war klar, dass das Sensationsergebnis von 2004 nicht zu wiederholen ist. Es gibt auf der linken Seite jetzt auch eine ganz andere Konkurrenz.” (Quelle: Badische Zeitung). Sicher: In Freiburg hat sich die SPD von ihrem desaströsen Ergebnis immer noch nicht erholt und bleibt weiter unter zwanzig Prozent. Sicher: Die CDU hat massiv verloren und die Grünen sind in Freiburg nun weit weit stärkste Partei bei der Europawahl. Aber: Das Sensationsergebnis vom letzten Mal wurde in anderen Städten und auch bundesweit nicht nur gehalten, sondern ausgebaut. Und: Die ganz andere Konkurrenz auf der linken Seite, die ist auch kein Freiburger Phänomen. Warum also haben die Grünen in Freiburg verloren? Ich glaube es gibt im wesentlichen drei Gründe:
- Kommunalpolitische Einflüsse. Da werden wir morgen einiges mehr wissen, wenn die Ergebnisse der Stadtratswahl vorliegen.
- Ein gewisse Selbstzufriedenheit und Mutlosigkeit der Freiburger Grünenn als Folge daraus eine langweilige Wahlkampflinie, die eher ein Wohlfühlgefühl vermittelte als politische Inhalte effektiv zu transportieren. Und die – gestalterisch – eine Freiburger Extrawurst war und sich nicht an die CI des Bundesverbands hielt. Während die Bundesverbandsmaterialien plakativ wirkten (so auch Franziska Brantners Kopfplakat), gingen die Kommunalwahlmaterialien unter. Eine einheitliche Linie für Kommunal- und Europawahl hätte uns mehr gebracht.
- Das Netz wurde kaum als Medium genutzt: Das Internet wird immer wichtiger als Informations- und Politisierungsinstrument.
Wahlprüfsteine: MigrantInnenbeirat
Der MigrantInnenbeirat hat Grüns auch Wahlprüfsteine geschickt – an das Ja-Nein-Muster haben wir uns dabei bewußt nicht gehalten, weil wir manche Fragen für unklar hielten oder differenziertere Positionen vertreten, aber lest selbst unsere grünen Antworten Wahlprüfsteine MigrantInnenbeirat







