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30Apr

Die erste Rede im Plenum: Kulturhauptstadt

Am Dienstag habe ich zum ersten Mal im Gemeinderat für die Fraktion gesprochen: Thema Kulturhauptstadt. Die Reaktionen waren interessant und passten zur Rede: Wer sich schon jetzt festgelegt hat und die Kulturhauptstadt – komme was da auch immer konzeptionell kommen mag – für eine super Sache hält, fand die Rede viel zu kritisch. Für die anderen Fraktionen sprachen übrigens Atai Keller (UL), Hans Essmann (SPD), Nikolaus von Gayling-Westphal (FDP) und Daniel Sander (CDU), dessen Rede übrigens auch online nachlesbar und nachhörbar ist. Meine Rede:

Sehr geehrter Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,

wenn sich Projekte in einem frühen Stadium befinden, so ist das Reden über diese immer gefährlich: Einerseits besteht die Gefahr des Zerredens, andererseits besteht die Gefahr, sich etwas einzureden. Die Gefahr des Zerredens sehe ich hier nicht, wohl aber die Gefahr, sich etwas einzureden. Ohne das zum jetzigen Zeitpunkt eine vernünftige Entscheidungsgrundlage vorhanden wäre, hat es den Anschein, als würde so mancher ganz genau wissen, dass die Chancen, die eine Bewerbung ja vielleicht mit sich brächte, in Freiburg auf jeden Fall genutzt werden. Ohne zu wissen, was denn nun der Kern der Leitidee einer möglichen Bewerbung ist, ist man sich im Taumel der Autosuggestion schon ganz sicher: Egal was es wird, es wird ein Erfolg.
Liebe Kolleginnen und Kollegen: Auch ich denke gerne positiv. Aber bevor ich mich auf die Wanderung mache, schaue ich dann doch ganz gerne in die Karte und packe auch meinen Kompaß ein. Für einen Spaziergang natürlich nicht. Aber hier geht es um ein großes Projekt, das mit beachtlichen Kosten verbunden ist. Um im Bild der Reise zu bleiben: Für mich sind vier Dinge wichtig, bevor ich mich auf den Weg mache – und dies in dieser Reihenfolge:

  • Ist der Weg zu Ziel ein schöner und interessanter?
  • Ist das Ziel ein interessantes?
  • Kommen meine Wunsch-Reisegefährten mit?
  • Kann ich mir die Reise leisten?

Ich fange hinten an: Ob wir uns die Bewerbung leisten können, dass werden wir im Rahmen der Haushaltsberatungen sehen. Wie teuer sie wird, dass hängt aber auch von Weg und Ziel ab. Gleiches gilt für die zweite Frage: Ob unsere Wunsch-Reisegefährten – genannt werden ja immer wieder Basel, Mulhouse – sich mit auf den Weg machen, dass hängt auch von Ziel und Weg ab.

Ist das Ziel nun ein Interessantes? Seit eineinhalb Jahren wird nun in der Stadtverwaltung an dem Projekt »Kern einer Leitidee einer Freiburger Bewerbung« gearbeitet. Vor rund zwei Monaten haben wir ein erstes internes Diskussionspapier hierzu im Kulturausschuß diskutiert. Dieses Papier hat vor allem eines gezeigt: Wir sind auf dem Weg zu einer schlüssigen und überzeugenden Leitidee, die ganz Freiburg für eine Bewerbung begeistern könnte, noch nicht allzu weit gekommen.

Ist der Weg dahin ein schöner und interessanter? Kann sein, muß aber nicht. Es ist nicht nur falsch, es ist auch gefährlich, sich einzureden, dass eine Stadt immer ganz automatisch davon profitiert, sich alsKulturhauptstadt zu bewerben. Gefährlich, weil man den Blick dafür zu verlieren droht, wie dieser Prozeß gestaltet sein könnte. Ja vielleicht sogar gestaltet sein muß, um für unsere Stadt, für Freiburg ein guter Prozeß zu sein. Es reicht eben nicht, sich nur auf eine Leitidee zu verständigen, vielmehr müssen wir uns auch über die Art und Weise des Bewerbungsprozesses verständigen.

Wollen wir einen Bewerbungsprozeß, der weiterhin 30seitige Impulspapiere produziert, die selbst beim akademisch vorgebildeten und kulturpolitisch interessierten Leser keine Begeisterung hervorzurufen vermögen? Glauben wir etwa so die Bürgerinnen und Bürger Freiburgs erreichen zu können? Wollen wir Geld ausgeben für kulturpolitische Papiere, für Kulturplanung, für Verwaltung von Kultur? Oder wollen wir nicht vielmehr ein Bewerbungsverfahren, dass sich selbst auf ästhetisch-künstlerisches Projekt begreift? Und würde ein solcher künstlerischer Bewerbungsprozess nicht auch viel besser zu Freiburg und vor allem dem Freiburg, das wir uns in Freiburg wünschen, passen?
In diesem Herbst wird die Entscheidung fallen, ob wir uns auf den Weg machen wollen. Zwei Jahre lang wird dann die Verwaltung diese Entscheidung vorbereitet haben, Wir sind gespannt auf die Diskussion diesen Herbst, die wir dann hoffentlich auf fundierter Basis führen können: fundiert, was die Leitidee anbelangt, was eine mögliche Finanzierung anbelangt. Fundiert, was eine Einbeziehung der Region, was die Ausgestaltung des Bewerbungsprozess anbelangt. Wir sind gespannt auf diese Diskussion und die Entscheidung im Herbst. Ein Diskussion ohne das die Idee der Kulturhauptstadtsbewerbung im Vorfeld zerredet wurde, aber auch eine Diskussion ohne sich im Vorfeld abstrakt ein Projekt eingeredet zu haben, ohne sich die Frage ehrlich beantworten zu können, wie eine Kulturhauptstadt Freiburg überhaupt aussehen könnte.

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04Feb

Endlich im Kino: Love Exposure

Letztes Jahr hatte ich die große Ehre auf der Berlinale Mitglied der Jury zu sein, die den Caligaripreis vergibt. Die Berlinale hat mehrere Sektionen, für unsere filmkulturelle Arbeit im Kommunalen Kino ist das “Forum” – früher “Internationales Forum des Jugen Films” – die spannendste. Im “Forum” gibt es am meisten zu entdecken, was ästhetisch und inhaltlich neue Wege des Films anbelangt. Und der Caligaripreis ist der Hauptpreis für einen Film des Forums. 2009 wurde “Love Exposure” ausgezeichnet, ein vierstündiger Film des japanischen Regisseurs Sion Sono. Glücklicherweise wurde der Film auch rasch von dem deutschen Verleih rapideyemovies, der sich auf das asiatische Kino spezialisiert hat, übernommen. Da es gar nicht so einfach ist, einen Vierstunden-Film unterzubringen und es nur eine einzige deutsche 35mm-Kopie des Films gibt, hat es etwas gedauert, bis wir den Film hier in Freiburg auf die Leinwand bringen konnten. Aber nun läuft er, am 6., 26. und 28. Februar. Und man sollte diesen grandiosen, fast vierstündigen, aber keine Minute langweiligen Film, nicht verpassen!

Eine Inhaltsangabe erspare ich mir und verweise auf die treffende Filmkritik von Mitjuror Rüdiger Suchsland in der FAZ. Und wer einen ersten Eindruck wünscht, hier ist der Trailer:

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26Aug

Frisch ausgepackt

frischausgepacktFast so schön wie Weihnachten!  Leider keine Geschenke, aber immerhin Leihgaben: Zwei schicke Raumschiffmodelle aus den DEFA-Science-Fiction-Filmen “Signale – ein Weltraumabenteuer” und “Im Staub der Sterne”. Was viele nicht Wissen: In der DDR wurden in den 70er Jahren drei recht aufwendige Science-Fiction-Filme gedreht. Am 8. September beginnt im Kommunalen Kino die Retrospektive in die Zukunft – Ausstellung, Filme, Gäste.  Und die schönen Raumschiffmodelle. Mehr demnächst.

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22Jul

Gute Werbung: Die Invasion hat begonnen

invasionDas obenstehende Männchen lehnt sich einfach frech an unseren Kinoschaukasten. Was soll das? Auf der Rückseite stand nur, dass die Invasion begonnen habe und ‘ne Webadresse. Jedenfalls hat mir das Männlein so gut gefallen, dass ich gleich ein Foto gemacht habe und zu hause nachgeschaut habe, was dahintersteckt. Es handelt sich um die Invasion Kulturtage, die vom 1. bis 8. August in der Haslacher Str. stattfinden – klingt interessant, ich bin leider aber vermutlich während dieser Woche nicht in Freiburg. Lob schon mal für die gelunge Werbung. Vielleicht sollten wir Grüne auch einfach mal ein paar grüne Männchen in der Stadt landen lassen…
Übrigens scheint das kulturelle Herz Freiburgs in der ersten Augustwoche ohnehin westlich der Bahn zu schlagen: Im E-Werk findet vom 3. bis 9. August mit Tamburi Mundi bereits zum vierten Mal ein Rahmentrommelfestival der Weltklasse statt. Ich gestehe ja, dass ich es in aller Regel schrecklich finde, wenn irgendwelche rastabelockten Jungs oder Mädels auf irgendwelchen Wiesen/Fußgängerzonen/Parks etc. ihre Bongos rausholen. Aber was die Rahmentrommler mit ihren Instrumenten machen, das hat – zumindest für meine Ohren – eine ganz andere Qualität.
[Update 23/7/09] Das arme Männchen hats bei den ständigen Unwettern/Hagelschauern hier in Freiburg auf den Boden gelegt und zermatscht. Bild erspare ich.

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22Jun

Manchmal müsste man zwei sein.

So kommenden Donnerstag, den 25. Juni. Im Rahmen der Freiburger Geschlechterstudien wird es im Kommunalen Kino um 19:30h einen Vortrag mit dem vielversprechenden Tite Leni Riefenstahls »OLYMPIA« und der amerikanische Sportfilmgeben. Anschließend wird der erste Teil des Olympia-Films gezeigt. Leider zur selben Zeit aber an anderer Stelle (nämlich in der katholischen Akademie) diskutiert unsere grüne Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae mit Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar und weiteren Gästen unter dem Motto “Datenschutz ist Bürgerrecht”. Da Peter Schaars Behörde im Zuge der jüngst verabschiedeten Internetsperren neue Aufgaben aufgedrückt beommen hat (gegen den Willen Schaars), bin ich mal gespannt, ob dieses Thema auch zur Sprache kommt. Werd’ mir das aber erzählen lassen müssen, weil ich ja zu dem Riefenstahl-Vortrag gehen werde.

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