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Kulturpolitik
03Mrz

Rockt ein Popbeauftragter?

Da ist die CDU mal wieder besser informiert als ich: Angeblich fordern wir Grünen nun einen Pop-Rock-Beauftragten. Aha. Meines Wissens nach haben wir in Folge einer für uns sehr anregenden Veranstaltung der Freiburger Rock/Pop/Jazzszene eine Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt, die zum Punkt “Rock-Pop-Beauftragten” wie folgt lautet:

Während der Veranstaltung wurden von den Veranstaltern zwei Vorschläge eingebracht: 1. (…) und 2. eine/n Rock- und Pop-Beauftragte/n zu ernennen. (…) Die Verwaltung soll ferner ihre Position zu einer/einem Rock- und Popbeauftragten darlegen. Wir bitten darum, in anderen Städten (Mannheim, Heidelberg, Tübingen, Konstanz und Stuttgart) zu erfragen, wie dort Rock- und Popmusik gefördert werden, welche Konzepte vorliegen, welche Haushaltsmittel zur Verfügung stehen, und ob Rock- und Pop-Beauftragte eingesetzt sind.

Ich bin schon sehr gespannt auf die Antworten der Verwaltung, die leider erst im Juni erfolgen soll. Ob ein Rock-Pop-Beauftragter tatsächlich die Lösung der Probleme ist, mit denen die Szene in Freiburg zu kämpfen hat, sei dahingestellt. Ich selbst stehe Institutionalisierungsprozeßen immer sehr skeptisch gegenüber, aber angesichts des starken Wunsches aus der Szene selbst nach einem solchen Beautragten sollte man doch zumindest mal abwarten, was die Stadtverwaltung an Erfahrungen aus anderen Kommunen berichten wird. Vielleicht begreifen dann auch die kulturpolitischen Sprecher der Freiburger Christdemokraten, dass ein Rock-Pop-Beauftragter ganz andere Aufgaben als die blosse Beratung des Kulturausschusses hat – auch wenn zumindest der christdemokratische Teil des Gremiums ja in der Tat hohen Beratungsbedarf hat. Z.B. was die Differenz zwischen Anfrage und Forderung anbelangt…

Ein hervorragender Artikel hierzu übrigens in der heutigen Badischen.

Update: Und ein schöner Kommentar dazu auch noch in der Badischen: Mangelnde Sachkenntnis

Update 2: Radio Dreyeckland hat das Thema auch aufgegriffen und mich kurz befragt. TV Südbaden wird auch drüber berichten. Danke an dieser Stelle an die CDU, dass sie das Thema so gut in die Presse gebracht hat – wir Grünen wollten erstmal die Diskussion im Kulturausschuß im Juni abwarten. Insofern hat das ganze auch recht wenig mit dem von RDL vermuteten Wahlkampf-Odem zu tun, bitterlich beschwert darüber, dass das Kulturamt aufgrund der anderen laufenden Arbeiten erst dann das Thema fundiert aufbereiten kann, hat sich meines Wissens bislang niemand. Übrigens ist das ganze auch ein schönes Lehrstück in Web 2.0-Angelegenheiten: Würde Daniel Sander nicht jede Pressemitteilung so schön twittern, hätte ich gestern Nacht das Thema garnicht bloggen können und wäre heute morgen bei RDL erstmal auf dem Schlauch gestanden…

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04Jun

Haus der Kulturen

Ein Gespenst geht um in Freiburg und es heißt »Haus der Kulturen«. Und wie immer bei Gespenstern weiß man nicht so richtig, womit man es zu tun hat; es kommt wann es will und beantwortet leider keine Fragen. Vor drei Jahren begann im Rahmen des Kulturkonzepts-Prozesses (insbesondere im Rahmen der Erstellung des Handlungskonzeptes zur Kulturellen Vielfalt) die Diskussion über ein solches Haus, es gab hierzu im Juli 2006 ein interessantes Werkstattgespräch; seitdem ist das Thema zumindest in der Öffentlichkeit kaum weiterentwickelt worden.Nun wird in einigen Wahlprogrammen wird ein »Haus der Kulturen« gefordert und auch der MigrantInnenbeirat versucht das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Was für ein »Haus der Kulturen« nun aber gemeint ist, das steht in den Programmen nicht – die Kulturliste spricht von einem “Raumkonzept für den interkulturellen Dialog”, die Linke Liste von einem “Interkulturellen Dialograum”, der MigrantInnenbeirat fragt schlicht die Unterstützung nach einem “Haus der Kulturen (Räume für Migrant.-vereine/-organisationen)”. So einfach mit Ja und Nein lässt sich das aber nicht beantworten. Es gibt nämlich mindestens vier Grundideen, auf die sich ein »Haus der Kulturen« beziehen kann:

  1. eine Institution, die gezielt interkulturelle Themen besetzt: Mit Ausstellungen, Veranstaltungen, Vorträgen und Kooperationen mit anderen Einrichtungen. Ein solches Haus steht und fällt mit kompetenten KuratorInnen; ein gelungenes Beispiel ist das Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Eine solche Einrichtung ist teuer und vielleicht auch eine Nummer zu groß für Freiburg. Kulturell wäre eine solche Institution ein Gewinn für Freiburg, ob eine solche Einrichtung unter integrationspolitischen Gesichtspunkten sinnvoll ist, dass müsste man en detail diskutieren.Ich habe mir dazu noch kein abschließendes Urteil gebildet.
  2. Ein gemeinsames Vereinshaus für die gesamten MigrantInnenvereine, das auch Veranstaltungsräumlichkeiten beinhaltet. Mal davon abgesehen, dass es fraglich ist,ob alle die ganzen Vereine unter ein Dach wollen (es ist wohl vor Jahren ein ähnliches Konzept eines »interkulturellen Zentrums« gescheitert) – ein extra Bürgerhaus für Migranten integriert nicht, es trennt eher. MigrantInnen brauchen keinen abgesonderten Raum, sie gehören in die Mitte der Gesellschaft, wie jede andere Bevölkerungsgruppe auch. Halte ich integrationspolitisch für keine gute Idee.
  3. Eine gemeinsame Klammer interkultureller Arbeit – ein virtuelles »Haus« der Kulturen, das gerade keinen Ort hat,sondern sich mal im E-Werk (z.B. im hervorragenden Projekt der Stori Digitali), mal im Theater, mal bei einem Strassenfest manifestiert. Dabei reicht es nicht bereits bestehende Projekte und Veranstaltungen zu sammeln, vielmehr müssen Kooperationen angeregt werden, ein gemeinsamer Auftritt erreicht werden. Könnte durchaus interessant und gut für Freiburg sein.
  4. Ein Ersatz für das Völkerkundemuseum. Ich selbst vermisse das Völkerkundemuseum schmerzlich, mit seiner sympathischen Angestaubtheit ein Ort, der für mich abenteuerlich war – ein Ort wie aus einem Indiana Jones-Film. Jetzt aber über die Interkulturschiene das Völkerkundemuseum zu begründen, ist für meinen Geschmack doch etwas weit hergeholt, die EthnologInnen mögens mir verzeihen.

Solange sich die für ein »Haus der Kulturen« wichtigen Akteure – MigrantInnen, Kultureinrichtungen, Stadt – sich nicht auf ein Konzept verständigen, wird ein solches nicht von der Stelle kommen.

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19Mai

So ein Theater: Freie Wähler und Kulturpolitik

Heute hier, morgen dort, so ists im Wahlkampf: Von Podium zu Infostand und wieder zurück. Manche irrlichtern allerdings vor allem programmatisch durch die Gegend. So auch die Freien Wähler. Niemand erwartet von einer Wählervereinigung, die “ganz konkret, pragmatisch und authentisch unser Freiburg gestalten” will, und dies auch “nur orientiert am aktuellen Sachstand”, dass es dicke Wahlprogramme gibt. Man sollte aber doch zumindest erwarten können, dass die paar programmatischen Aussagen in den eigenen Wahlprospekten sich a) am aktuellen Sachstand orientieren und b) man dann ganz authentisch zu diesen Zielen auch bekennt. Beides ist leider nicht der Fall.

Zum Sachstand: Wir lesen mit Verwunderung im Wahlprogramm der freien Wähler zum Thema Stadttheater:

Wir empfehlen (…) die Umwandlung des Theaters zum Eigenbetrieb.

Ich habe gestutzt, als ich das gelesen habe, meinte ich mich doch zu erinnern, dass das Theater schon seit geraumer Zeit ein Eigenbetrieb der Stadt ist und Ende letzten Jahres sogar eine vielbeachtete Zielvereinbarung mit der Stadt getroffen hat. Da ich mich gerne am aktuellen Sachstand orientiere, habe ich den Rechner angeworfen und mal kurz nach “Eigenbetrieb Freiburg Theater” gegooglet. Keine schwere Recherche: Das Theater ist wohl seit 2005 Eigenbetrieb. Als ich Freien Wähler-Chef und Spitzenkandidat Herrn Dr. Gröger auf die originelle Forderung, die schon längst umgesetzt ist, angesprochen habe, behauptete er, der Drucker des Wahlprospekts hätte aus Versehen eine alte Version des Texts genommen. Auf die Frage, was denn in der neuen Version gestanden hätte, kam dann keine Antwort mehr… Nun kann ich ja verstehen, dass man aus ökologischen Gründen nicht neu druckt, aber zumindest die online-Version hätte man ja ändern können…

Zum Ernstnehmen des eigenen Programms: Die Freien Wähler schreiben:

Dabei wünschen wir uns Offenheit und Ehrlichkeit bei der Diskussion über das Stadttheater: Freiburg kann und muss sich ein Theater mit allen Sparten (Schauspiel, Oper, Tanz) nicht leisten.

Mit diesem Punkt hat sich Herr Dr. Gröger schon bei einigen Veranstaltungen als Volkstribun zu inszenieren versucht, so auch am 17.5. im Jazzhaus bei einer Veranstaltung, zu der die CDU geladen hatte. Umso verwunderlicher, was ich heute im aktuellen chilli (PDF)  lese: Da hält Herr Dr. Gröger nun plötzlich das Stadtheater als Dreispartenhaus für unverzichtbar. Aber vermutlich ist das auch wieder so ein Druckfehler?

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